Wir zeigen nur selten Meisterwerke aus dem 21. Jahrhundert – vor allem wegen urheberrechtlicher Beschränkungen. Doch heute dürfen wir dir dank der Zachęta, der Nationalgalerie der Kunst in Warschau, ein großartiges Werk der weltberühmten zeitgenössischen polnischen Künstlerin Małgorzata Mirga-Tas präsentieren. Viel Freude damit!
Das Werk ist Teil einer zwölfteiligen Installation, die erstmals auf der Ausstellung der Künstlerin im Polnischen Pavillon der Internationalen Kunstausstellung in Venedig 2022 gezeigt wurde.
Die Welt neu verzaubern ist ein Manifest der Roma-Kunst und -Identität. Es ist der Versuch, die Kunstgeschichte um die Repräsentation der Roma-Kultur – der größten Minderheit Europas – zu erweitern. Als visuelle und ideologische Bezugspunkte wählte die Künstlerin die Fresken im Palazzo Schifanoia in Ferrara.
Die gesamte Installation besteht aus zwölf großformatigen Textilarbeiten, die den zwölf Monaten des Kalenders entsprechen. Das obere Band zeigt die Geschichte der Roma-Migrationen durch Europa, angelehnt an die Drucke des lothringischen Kupferstechers Jacques Callot. Seine im 17. Jahrhundert entstandenen Radierungen sind von anti-Roma-Stereotypen geprägt. Mirga-Tas verwandelt diese schädliche Erzählung, indem sie auf Grundlage der historischen Werke ihre eigenen großformatigen Collagen schafft, die die reiche Welt der Roma-Geschichte und -Mythologie darstellen.
Das mittlere Band fungiert als Archiv der Roma-Geschichte, erzählt aus weiblicher Perspektive. In den letzten Jahren hat Mirga-Tas zahlreiche Werke über Frauen geschaffen, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt haben – sie bilden den Zyklus Herstories. Hier werden Porträts von Roma-Frauen mit Symbolen aus Tarotkarten und Tierkreiszeichen des Palazzo Schifanoia kombiniert. Die Verbindung von realen Frauenbildern mit Magie und Astrologie verwandelt diese in symbolische Glückswächterinnen, Göttinnen und Prophetinnen.
Das untere Band der Komposition umfasst zwölf Gemälde, die das moderne Alltagsleben im Heimatdorf der Künstlerin, Czarna Góra, sowie in den Regionen darstellen, mit denen sie sich besonders verbunden fühlt: Podhale (im Süden Kleinpolens) und das multikulturelle Zips-Gebiet. Dargestellt sind vor allem Frauen, ihre Beziehungen, Bündnisse und gemeinsamen Tätigkeiten.
Das „Wiederverzaubern“ im Titel, inspiriert von Silvia Federicis Buch Die Welt wieder verzaubern: Feminismus, Marxismus & Commons (2018), beschreibt einen gewaltfreien Prozess, der das unglückliche Schicksal dieser Welt verändern, den schlechten Zauber bannen und ein Gefühl von Gemeinschaft sowie menschlichen Beziehungen wiederherstellen soll.
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PPS: Entdecke die faszinierenden Details dieses außergewöhnlichen Werks, das die Besucher*innen der Biennale von Venedig 2022 in seinen Bann zog!
Małgorzata Mirga-Tas