Das Porträt von Guendolen Cleaver von Glyn Warren Philpot ist ein großartiges Beispiel dafür, was Philpot zu einem der angesehensten Porträtmaler des frühen 20. Jahrhunderts in Großbritannien machte. Statt sich auf große Gesten oder aufwendige Umgebungen zu verlassen, konzentriert sich der Künstler auf das Modell selbst – ihre Stille, ihren Blick, ihre modische Kleidung und Pose, sowie das dezente Lichtspiel auf ihrem Gesicht.
Philpot wurde für seine technische Fertigkeit bewundert, aber was seine Porträts wahrlich von anderen absetzte, war sein scharfsinniges Feingefühl für Persönlichkeit. In vielen seiner späteren Werke kann man eine gedämpfte, fast monochrome Atmosphäre und eine zurückhaltende Farbpalette wahrnehmen, die die psychologische Intensität des Modells noch verstärkt. In diesem Porträt ist die Freundin des Künstlers, Guendolen Cleaver, zu sehen, tiefschwarz gekleidet; ihr modischer Hut und das Kleid sind mit lockeren, selbstbewussten Pinselstrichen wiedergegeben. Nur ein Hauch Lippenstift und Nagellack durchbrechen die Dunkelheit. Ihr Ausdruck vermittelt eine Spur kalter Missbilligung – man kann sich fast vorstellen, jemand hätte gerade den unverzeihlichen Fehler gemacht, Guendolen mit einem w zu schreiben.
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Glyn Philpot