Obwohl Robert Delaunay außer einer Lehre zum Bühnenbildner kaum eine formale Kunstausbildung genossen hatte, entwickelte er durch das Studium der Farbtheorie, insbesondere der Arbeiten des französischen Chemikers Michel Eugène Chevreul und deren Anwendung durch die Neoimpressionist*innen, einen anspruchsvollen und einflussreichen Stil. Seine Frau Sonia Delaunay – eine versierte Malerin und Textildesignerin – war entscheidend für seine frühe Auseinandersetzung mit der Collage und der Abstraktion.
Das Gemälde, das wir heute präsentieren, basiert auf einer sensationellen Zeitungsillustration zu einem politischen Attentat: Henriette Caillaux, die Frau des französischen Finanzministers Joseph Caillaux, erschoss 1914 Gaston Calmette, den Herausgeber der Zeitung Le Figaro. Das Titelbild der illustrierten Beilage des Le Petit Journal zeigt das dramatische Geschehen: Caillaux tritt vor, Calmette bricht zusammen, und in der Mitte leuchtet ein Blitz. Delaunay abstrahierte die Szene, behielt aber wichtige visuelle Hinweise bei. Er verwendet Collage-Elemente, um die Figuren und die Explosion hervorzuheben, und ordnet sie entlang einer vertikalen und horizontalen Achse an, die ihre tödliche Konfrontation festhält. Konzentrische Kreise, die an Zielscheiben oder das Zielfernrohr einer Waffe erinnern, vermitteln die Spannung des Gemäldes, während wirbelnde Hintergrundmuster Bewegung, sogar Tanz suggerieren, vielleicht inspiriert durch seine Besuche mit Sonia im Tanzlokal Bal Bullier zwischen 1912 und 1914.
Delaunays Verwendung konzentrischer farbiger Formen nahm die visuellen Strategien späterer amerikanischer Künstler wie Jasper Johns, Kenneth Noland und Frank Stella vorweg. Während diese Maler jedoch die politische Bedeutung aus ihren Werken weitgehend entfernten, zeigt Politisches Drama einen komplexen Dialog zwischen Abstraktion und Erzählung. Frühe Fotografien des Werks zeigen oben den Titel und unten Delaunays Namen – Details, die später abgeschnitten wurden, möglicherweise in dem Bemühen, das Werk stärker in den Bereich der reinen Abstraktion zu verlagern.
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