Vilhelm Hammershøi, der dänische Maler, der in den 1880er-Jahren Berühmtheit erlangte, wird oft als Nachfolger Vermeers oder als Vorläufer Hoppers betrachtet. Doch seine reduzierten Interieurs und ihre geheimnisvolle, beinahe unheimliche Atmosphäre, entstanden aus einem streng minimalistischen Stil, bezeugen deutlich seine ganz eigene künstlerische Originalität.
Hammershøi gilt als Erfinder des „Rückenporträts“, indem er sich von den traditionellen frontalen oder seitlichen Ansichten abwandte. Die sitzende Frau in diesem Gemälde – ob Dienstmädchen oder Bürgerliche, in Arbeit oder Gedanken vertieft – bleibt rätselhaft, gerade weil sie dem Blick des Betrachters völlig entrückt scheint. In feinen Grautönen und Braunnuancen dargestellt, verkörpert sie die Sensibilität des Künstlers für die leise Poesie des Innenraums.
Die Komposition selbst besteht fast ausschließlich aus rechten Winkeln: Stuhl, Sockelleiste, Anrichte – jedes Element teilt die Leinwand in streng geometrische Flächen, geprägt von protestantischer Strenge. Doch das Werk allein als Darstellung von Einsamkeit oder Melancholie zu lesen, wäre zu kurz gegriffen. Vielleicht liegt sein eigentliches Thema vielmehr in der zarten Rundung des Halses der Frau – jenem Körperteil, der in manchen östlichen Kulturen als besonders verführerisch gilt. Vereinzelte Haarsträhnen, die leicht geöffnete Bluse, die einen Schimmer heller Haut erkennen lässt, und die feine Schale auf der Anrichte – all das widersetzt sich einer puritanischen Interpretation und deutet stattdessen auf eine subtile Spannung von Intimität und Begehren unter der stillen Oberfläche hin.
PS: Hammershøis stille Interieurs verbinden Vermeers Licht mit Hoppers Schweigen. Wusstest du, dass du ihre Werke in unserem 50-teiligen Postkartenset „Große Meisterwerke“ entdecken kannst?
PPS: Tauche ein in die geheimnisvolle Welt von Vilhelm Hammershøis Gemälden!