Selbstporträt als Heilige Katharina von Alexandrien by Artemisia Gentileschi - circa 1613 - 32,3 x 24,6 cm Private Sammlung Selbstporträt als Heilige Katharina von Alexandrien by Artemisia Gentileschi - circa 1613 - 32,3 x 24,6 cm Private Sammlung

Selbstporträt als Heilige Katharina von Alexandrien

Öl auf Holz • 32,3 x 24,6 cm

  • Artemisia Gentileschi - 8. Juli 1593 - circa 1656 Artemisia Gentileschi

    circa 1613

Dieses seltene Gemälde von Artemisia Gentileschi ist eines von nur fünf bekannten echten Selbstporträts der Künstlerin – und möglicherweise sogar das früheste. Es entstand um 1613, als Artemisia kaum 20 Jahre alt war, und stammt aus ihren prägenden Jahren in Florenz, einer Zeit, die einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben und ihrer Karriere markierte. Hier trat sie aus dem Schatten ihres Vaters Orazio Gentileschi heraus und etablierte sich als unabhängige, professionelle Malerin.

Artemisia wurde 1593 in Rom geboren und zeigte schon früh außergewöhnliches Talent, sah sich jedoch als unverheiratete Frau mit erheblichen gesellschaftlichen Einschränkungen konfrontiert. Trotz begrenzten Zugangs zu künstlerischer Ausbildung und öffentlichen Kunstwerken arbeitete sie bereits mit 16 Jahren selbstständig und wurde von ihrem Vater schon damals als „ohnegleichen“ gefeiert. Ihre frühe Karriere wurde 1611 jäh erschüttert, als sie von dem Maler Agostino Tassi vergewaltigt wurde. Nach einem berüchtigten Prozess –  in dessen Verlauf sie gefoltert wurde, um die Richtigkeit ihrer Aussage zu beweisen – heiratete Artemisia Pierantonio Stiattesi und zog nach Florenz, wo sie einen Neuanfang wagte.

Florenz erwies sich als entscheidend für ihre Entwicklung. Artemisia lernte lesen und schreiben, erhielt Zugang zu den intellektuellen Elitekreisen der Stadt und bekam bedeutende Aufträge, darunter Arbeiten für den Medici-Hof. Sie wurde die erste Frau, die in die Accademia delle Arti del Disegno aufgenommen wurde, und erlangte schnell einen Ruf für ihre kraftvollen, emotional aufgeladenen Gemälde. In dieser Zeit nutzte sie wiederholt ihr eigenes Gesicht in ihren Werken und schlüpfte in verschiedene Rollen – etwa als Heilige, Musikerin oder Heldin. Dies war eine kluge Strategie, um sowohl ihr Talent als auch ihre künstlerische Identität auf dem umkämpften Kunstmarkt zu präsentieren.

In diesem intimen Tafelbild stellt sich Artemisia als die heilige Katharina von Alexandrien dar, erkennbar an der Märtyrerpalme, der Krone und dem zerbrochenen Rad. Die enge Bildkomposition und ihr direkter Blick ziehen die Betrachtenden in eine unmittelbare Begegnung hinein. Technische Untersuchungen zeigen zudem, dass das Werk ursprünglich als weltliches Selbstporträt begonnen und erst später in ein religiöses Bild umgewandelt wurde – vermutlich als Reaktion auf die Wünsche eines Auftraggebers.

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