Diese ausdrucksstarke Tafel von Maerten de Vos veranschaulicht die charakteristische Verbindung italienischer Dynamik mit flämischer Detailgenauigkeit. De Vos gehörte zu den führenden Schöpfern von Altarbildern im Antwerpen des späten 16. Jahrhunderts. 1558 wurde er Meister in der Lukasgilde und reiste vermutlich kurz darauf nach Italien, wo er Werken von Künstlern wie Michelangelo, Paolo Veronese und Tintoretto begegnete. Deren Einfluss, zusammen mit dem niederländischer Maler wie Pieter Aertsen und Frans Floris, prägte seinen dynamischen und eklektischen Stil.
Das Gemälde, entstanden um 1570-1580, ist ein erhaltenes Fragment eines größeren Altarwerks. Trotz seines kleineren Formats bewahrt es die dramatische Bewegung, die für de Vos’ monumentale Kompositionen typisch ist. Der Erzengel erscheint in einer eindrucksvollen Dreiviertelansicht, wendet sich scharf und zieht dabei sein Schwert. Die kraftvolle Anatomie, die wirbelnden Gewänder und die weit ausgreifenden Flügel spiegeln die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem italienischen Manierismus wider, während die leuchtende Landschaft im Hintergrund – mit sich windenden Wasserläufen, dicht stehenden Gebäuden und fernen Hügeln – seine Sensibilität für die Umgebung zeigt. Die Darstellung der Federn sowie die warmen, silbrigen Farbtöne der Figur entsprechen eng anderen Werken aus dieser Zeit.
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Maerten de Vos