Tiere verunglimpfen eine Festprozession by Kawanabe Kyōsai - 1881 - 38,1 × 53,3 cm British Museum Tiere verunglimpfen eine Festprozession by Kawanabe Kyōsai - 1881 - 38,1 × 53,3 cm British Museum

Tiere verunglimpfen eine Festprozession

Tinte und Farbe auf Papier • 38,1 × 53,3 cm

  • Kawanabe Kyōsai - 18. Mai 1831 - 26. April 1889 Kawanabe Kyōsai

    1881

Diese lebhaften Kreaturen entspringen der Fantasie von Kawanabe Kyōsai, einem Künstler, der für seinen respektlosen Humor berühmt war. Kyōsai war besonders bekannt für seine sekiga – spontane Zeichnungen, die während ausgelassener Kalligrafie-Treffen, sogenannter shogakai, entstanden. Bei diesen Zusammenkünften tranken Künstler Sake, schrieben Gedichte und improvisierten Gemälde für das Publikum.

Ein besonders ausgelassener Abend soll sogar zu Kyōsais Verhaftung geführt haben. Nach einem von reichlich Sake begleiteten shogakai beschuldigten ihn die Behörden, ein Bild geschaffen zu haben, das die Regierung beleidige. Was genau er gezeichnet hatte, ist bis heute unbekannt – Kyōsai selbst war offenbar zu betrunken, um sich daran zu erinnern.

Hinter ihrem spielerischen Erscheinungsbild verweisen Werke wie dieses auf die Spannungen, die Japan im späten 19. Jahrhundert erlebte. Nach mehr als zwei Jahrhunderten relativer Abschottung sah sich das Land plötzlich mit dem Einfluss ausländischer Mächte, neuer Technologien und ungewohnter Bräuche konfrontiert – von Kanonen und Handelsverträgen bis hin zu westlicher Mode wie dem Zylinderhut.

Kyōsais schelmische Tiere ermöglichten es ihm, diese Veränderungen mit Witz und Fantasie zu kommentieren. Ihr Humor verbarg eine scharfe satirische Kante und bot gesellschaftliche Kritik, während er zugleich eine praktische Ebene der Mehrdeutigkeit aufrechterhielt.

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