Wir teilen häufig Geschichten zu vergessenen Künstlerinnen mit euch, deren Werke oft ihren männlichen Kollegen zugeschrieben werden. Das ist bei dem heutigen Gemälde der Fall. Dieses großartige Stillleben, das sich lange unter dem Namen des niederländischen Künstlers Abraham van Calraet (1642–1722) in einer privaten Sammlung befand, ist eines der vollkommensten Werke von Louise Moillon. Es offenbart ihren Geschmack für verkleinerte Kompositionen, die sich durch einen aufrichtigen und bestimmten Realismus auszeichnen.
Die 1610 geborene Louise Moillon war die Tochter des Portrait- und Landschaftsmalers Nicolas Moillon, der verstarb, als sie neun Jahre alt war. Ihre Mutter heiratete später den Stilllebenmaler François Garnier, von dem Louise ihr Handwerk erlernte.
Das Gemälde, auf einer dünnen Holztafel aufgetragen, wurde höchstwahrscheinlich an der rechten und den unteren Seiten verkürzt, wie die leichte Fehlausrichtung der Silberplatte und die unten abgeschnittenen Trauben vermuten lassen.
Trotz dessen bleibt die Komposition charakteristisch für Moillons reifere Werke ab den 1630er Jahren. Moillon reduzierte ihre Bildsprache auf das Wesentliche und akzeptierte Stille und Raum als Form des Nachdenkens, indem sie mit Zurückhaltung und Nüchternheit komponierte und Pomp vermied. Sie nutzte einfache Elemente, wie zum Beispiel den silbernen Teller, samtige Pfirsiche und frische Trauben, auch in anderen Werken – alle mit Ehrlichkeit und ohne dekorative Absicht präsentiert.
PS: Hier sind 5 Künstlerinnen, deren Werke einst fälschlicherweise Männern zugeordnet wurden. Wer weiß, wie viele noch darauf warten, entdeckt zu werden?