Paul Gauguin malte dieses berühmte Werk während seines zweiten Aufenthalts in Tahiti, wo er häufig durch die abgelegenen Landschaften der Insel wanderte – die Berge, Wälder und versteckten Täler voll üppiger Vegetation und Wildtiere faszinierten ihn.
Das hier abgebildete Motiv ist allerdings keine direkte Naturbetrachtung. Es handelt sich um eine stilisierte, ausgedachte Vision der tahitischen Landschaft – eine Synthese aus Erinnerung, Mythos und Symbolik. Die gewundenen Äste des Lindenblättrigen Eibisch (einer Art Hibiskus), Lilien und ausgedachte Blumen bilden einen reichhaltigen, dekorativen Rahmen um den Mittelpunkt des Gemäldes. Der Horizont und der Himmel sind absichtlich ausgegrenzt, was eine geschlossene, traumartige Welt heraufbeschwört.
Im Zentrum steht ein weißes Pferd, sein Fell von der umstehenden Vegetation leicht grünlich getönt – das titelgebende Bild des Gemäldes. Das Pferd trinkt aus einem Bach, der vertikal durch das Motiv fließt. Einsam und still trägt das Tier möglicherweise symbolischen Wert und weist eventuell auf den polynesischen Glauben an die Reise der Seele ins Jenseits hin. In örtlichen Kulturen wird Weiß mit Tod und göttlicher Ehrfurcht in Verbindung gebracht.
Hinter dem Pferd reiten zwei nackte Personen ohne Sattel in die Ferne. Die gestaffelte Platzierung dieser Figuren betont die vertikale Komposition und abgeflachte Perspektive des Gemäldes. Gauguin verstärkte die dekorative Qualität des Bildes mit einer reichen, lebhaften Farbpalette: Smaragd- und Grasgrün, tiefe Blautöne, einen Hauch von Orange und Rosa sowie die warmen Kupfertöne der Haut der Reiter.
Das Ergebnis ist eine Szene paradiesischer Ruhe, die heute als eines der Meisterwerke Gauguins gilt. Ironischerweise lehnte der tahitische Apotheker, der es beauftragt hatte, das Werk ab, da ihm das Pferd viel zu grün aussah.
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