Gustave Caillebotte war sowohl Mitwirkender an den Impressionistenausstellungen als auch ein wichtiger finanzieller Förderer. Dieses Gemälde zeigt seinen jüngeren Bruder Martial beim Klavierspielen im eleganten Haus der Familie in der Rue de Miromesnil in Paris. Es wurde zusammen mit dem berühmten Werk Die Fußbodenabschleifer und vier weiteren Werken Caillebottes auf der zweiten Impressionistenausstellung 1876 gezeigt und zog die größte Aufmerksamkeit der Besucher*innen auf sich.
Im Paris des späten 19. Jahrhunderts war das Klavier ein Symbol für den Status der Oberschicht und ein beliebtes Motiv in der Malerei – allerdings war der Spieler in der Regel weiblich, wie in den Werken von Renoir. Hier zeigt Caillebotte einen Mann, der in einem eleganten städtischen Innenraum, der reich mit botanischen Motiven auf Tapeten, Vorhängen, Teppichen und Stühlen verziert ist, in die Musik versunken ist. Das Licht aus dem Fenster reflektiert sich auf den Tasten des Klaviers, den Beinen und dem Deckel, während sich die Finger des Pianisten im Klavierdeckel spiegeln.
Im Gegensatz zu den lockeren, schnellen Pinselstrichen, die oft mit dem Impressionismus in Verbindung gebracht werden, schafft Caillebottes feine Pinselführung ein Gefühl von Tiefe. In Stil und Thema erinnert das Gemälde an Degas' intime Interieurszenen, teilt seinen Fokus auf das moderne städtische Leben und bietet gleichzeitig eine deutliche Abwandlung der impressionistischen Erforschung von Licht und Schatten.
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Gustave Caillebotte