Franciszka Themersons Gemälde It all depends on the point of view (Es kommt Alles auf die Perspektive an) vermittelt unmittelbar seine Botschaft: Was wir sehen, ist niemals absolut. Unser Blick wird durch Perspektive, Gewohnheiten und die Rahmenbedingungen (sowohl im wörtlichen als auch im kulturellen Sinne) geprägt, durch die wir schauen. Themerson – Malerin, Illustratorin und Bühnenbildnerin –, die ihr ganzes Leben lang ihren Ehemann Stefan bei avantgardistischen künstlerischen Experimenten begleitete, nutzte von Anfang an die Sprache der Bilder als Werkzeug der Analyse und des intellektuellen Spiels.
Es ist kein Zufall, dass mit diesem Werk die neue (heute, am 17. Oktober 2025, eröffnete) Dauerausstellung Ways of Seeing im Muzeum Sztuki in Łódź eröffnet wird. Direkt am Eingang platziert, gibt es die Perspektive vor, aus der die gesamte Reise durch die Sammlung beginnt – es erinnert uns daran, dass das Sehen niemals neutral ist und dass unser Blick immer von Erfahrungen, Wissen und Gewohnheiten geprägt ist.
Das Werk ist eines von vielen Beispielen für den unverwechselbaren Stil von Franciszka Themerson, der die Einfachheit der Form mit philosophischer Neugier verbindet. Sein Thema ist der Akt des Sehens – seine Relativität, Konventionalität und die Notwendigkeit, einmal angenommene Annahmen zu hinterfragen. Der Titel „depends on the point of view“ (hängt vom Blickwinkel ab) ist sowohl eine Warnung als auch eine Einladung: eine Vielzahl von Perspektiven anzunehmen und sich damit der Versuchung einfacher Unterteilungen und eindeutiger Interpretationen zu widersetzen.
PS: Es gibt viele Perspektiven darauf, was ein Kunstwerk sein kann. Roman Opałka beispielsweise malte Zahlen von Null bis Unendlich und schuf damit ein monumentales, abstraktes Lebenswerk.
Franciszka Themerson