Der berühmte Chronist der Maler der Renaissance, Giorgio Vasari, schrieb über dieses Werk: „Er malte mit Tempera als Pendant zu diesem Werk ein Abbild der Geburt Christi, die jeden denkenden Menschen in Staunen versetzen muss, darunter sein eigenes Porträt und die Köpfe der Hirten, so göttlich, als seien sie direkt vom Himmel gesandt.“
Die Sassetti-Kapelle, der Geburt Christi gewidmet, dreht sich um Ghirlandaios Anbetung der Hirten – sein bedeutendstes und berühmtestes Werk. Dieses Altarbild wurde sowohl thematisch als auch künstlerisch so bewundert, dass es von späteren Malern vielfach imitiert wurde. Ghirlandaio malte sich selbst in das Motiv und ist zwischen den Hirten zu sehen. Einzigartigerweise kniet er sogar näher am Christkind als die in den umgebenden Fresken dargestellten Wohltäter, als ob er die bescheidenen Besucher – und die Betrachter*innen – zu dem göttlichen Wunder führen wollte. Seine fein gearbeitete linke Hand zeigt auf das Christuskind, während seine rechte Hand seine Brust berührt, eine Geste, die an seine anderen Selbstporträts erinnert. Mit dieser doppelten Bewegung scheint er zu sagen: „Dieses heilige Kind wurde für euch von mir, Ghirlandaio – dem Kranzmacher – gemalt.“
Im Zentrum der Komposition liegt ein römischer Marmorsarg, der sowohl als Krippe als auch als symbolische Verbindung zwischen der Antike und dem Christentum fungiert. Die lateinische Inschrift lautet: „Ense cadens Solymo Pompeii Fulvius Augur Numen ait: quae me contegit urna dabit.” („Als er in Jerusalem durch das Schwert fiel, sagte der Augur Fulvius: Die Urne, die mich bedeckt, wird einen Gott hervorbringen.”) Diese alte Prophezeiung deutet auf das Kommen Christi hin – die Wiege des Erlösers, der aus einem heidnischen Grab emporsteigt.
Ghirlandaio verwebt in seiner Anbetung meisterhaft antike Referenzen mit flämischem Realismus. Der Einfluss von Hugo van der Goes' Portinati-Altar, der 1483 in Florenz ankam, ist besonders eindeutig. Die Florentiner Künstler empfanden Van der Goes' naturalistische Hirten und leuchtende Details als revolutionär und Ghirlandaio reagierte darauf entsprechend: Seine schroffen Hirten drängen sich von rechts in die Komposition, ihre Gesichter sind mit lebensechter Präzision dargestellt, wohingegen sich die nördlich angehauchte Landschaft hinter ihnen erstreckt.
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