Disteln und Schmetterlinge by Otto Marseus van Schrieck - circa 1670 - 42,8 x 37 cm Nationalmuseum Krakau Disteln und Schmetterlinge by Otto Marseus van Schrieck - circa 1670 - 42,8 x 37 cm Nationalmuseum Krakau

Disteln und Schmetterlinge

Öl auf Leinwand • 42,8 x 37 cm

  • Otto Marseus van Schrieck - ca. 1613 - Juni 1678 Otto Marseus van Schrieck

    circa 1670

Das Gemälde ist ein Beispiel für eine Nahansicht der Natur, die die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf Details von Pflanzen, Insekten und anderen Lebewesen richtet, die nahe am Boden leben. Werke dieser Art werden im Italienischen sottobosco genannt, was „Waldboden“ oder „Unterholz“ bedeutet. Der Künstler ist Otto Marseus van Schrieck, dessen Werk eine besondere Stellung zwischen Kunst und Wissenschaft einnimmt. Neben seiner Malerei hielt er Tiere und führte naturkundliche Beobachtungen durch. Diese Beobachtungen trugen auch zur Entwicklung der Entomologie bei und halfen Johannes Swammerdam bei der Entdeckung parasitischer Wespen.

Van Schrieck nutzte die Malerei, um die Natur zu erfassen und zu ordnen. Durch die Kunst verwandelte er Dinge, die vielleicht Angst oder Unbehagen hervorrufen könnten, in ein neues ästhetisches Ganzes. Obwohl seine Gemälde viele Details enthalten, die symbolisch gedeutet werden können – etwa die Schlange als Verkörperung des Bösen oder der Schmetterling als Symbol der Seele – sind sie nicht moralisierend. Der besondere Wert seiner Werke liegt vielmehr in dem Gleichgewicht, das er zwischen allegorischer Bedeutung und nüchterner wissenschaftlicher Beobachtung erreichte.

Van Schriecks Gemälde waren Teil einer breiteren Suche des 17. Jahrhunderts nach Spuren Gottes in den Werken der Schöpfung. Zu dieser Zeit war die Theorie der spontanen Generation noch weit verbreitet. Sie besagte, dass niedrigere Lebensformen wie Insekten, Frösche oder Pilze spontan aus verrottender Materie entstehen. Van Schrieck und mit ihm verbundene Gelehrte stellten diese Vorstellung infrage. Ihr Ziel war zu zeigen, dass alle Lebewesen einen gemeinsamen Ursprung haben – dass sie von Gott geschaffen wurden und denselben Naturgesetzen unterliegen. Der Künstler plante sogar, eine illustrierte naturkundliche Abhandlung zu veröffentlichen, konnte dieses Vorhaben jedoch nicht verwirklichen. Dennoch hinterließ er äußerst detailreiche Werke voller verborgener Bedeutungen, die als gleichwertig mit wissenschaftlichen Abhandlungen betrachtet werden können und gewissermaßen als visuelle Enzyklopädien fungieren.

Wir präsentieren das heutige Kunstwerk dank des Nationalmuseums in Krakau, wo kürzlich die Galerie für Europäische Kunst eröffnet wurde. Dort sind einige der interessantesten und bedeutendsten Werke europäischer Malerei und Skulptur aus den Sammlungen des Museums zu sehen, entstanden zwischen dem 13. und 20. Jahrhundert. Wirf einen Blick auf einige der Schätze, die dort derzeit ausgestellt sind!

PS: Die Kunst ist voller überraschender Kreaturen. Entdecke Käfer und krabbelnde Tiere in Gemälden!