Um den heutigen Welttag der Fotografie zu feiern, schauen wir uns eines der außergewöhnlichen und aufregenden Kapitel der Fotografiegeschichte mal genauer an — Hippolyte Baraducs Versuch, das Unsichtbare zu erfassen.
Die Menschliche Seele: Ihre Bewegung, ihr Licht und die Ikonografie des Fluidisch Unsichtbaren, erschienen 1896, legt die einzigartigen Theorien des französischen Physikers Hippolyte Baraduc dar, der glaubte, dass Lebewesen von einer unsichtbaren kosmischen Kraft durchdrungen seien, die er das „Odische Licht“ nannte. Laut Baraduc existiere diese Lebensenergie innerhalb eines allumfassenden Mediums, das er Somod nannte und das mithilfe eines fotografischen Prozesses namens Ikonografie sichtbar gemacht werden könne.
Baraduc lehnte konventionelle Fotografie ab und behauptete, dass speziell präparierte fotografische Platten die unsichtbaren Ausstrahlungen von Gedanken, Emotionen und der menschlichen Seele abbilden könnten. Dabei verzichtete er meist komplett auf ein Kameraobjektiv und legte Platten direkt auf den Körper auf, manchmal sogar an die Stirn, denn er glaubte, dass sie so das „innere Licht“ eines Individuums anhand elektrovitalischer Strömungen statt reflektierten Sonnenlichts aufzeichnen könnten. Die daraus resultierenden Bilder, die er als visuellen Beweis für psychische und spirituelle Kräfte betrachtete, zeigen abstrakte Formen, Heiligenscheine, leuchtende Netze, Handabdrücke und strahlende Muster, die er als Ausdrücke von Gebeten, Trauer, Gedanken oder der Seele selbst identifizierte.
Heute gelten Baraducs Theorien als pseudowissenschaftlich und seine Behauptungen bezüglich Fotografie sind schon seit langem widerlegt. Und doch nimmt sein Werk einen faszinierenden Platz an der Schnittstelle zwischen Fotografie, Medizin, Psychologie und Okkultismus um die Wende zum 20. Jahrhundert ein. Als angesehener Physiker, der im Krankenhaus Salpêtrière an der Seite von Neurologen arbeitete, führte Baraduc seine Experimente zu einer Zeit durch, als die Grenzen zwischen wissenschaftlicher Forschung und spirituellen Spekulationen bemerkenswert unklar waren.
PS: Ein weiteres übernatürliches Phänomen, das sich aus der viktorianischen Faszination mit Fotografie entwickelte, war Geisterfotografie, die angeblich die Geister der Verstorbenen neben den Lebenden einfing.
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Hippolyte Baraduc