Bis 1874 lernte Marie Bracquemond unter dem Giganten der Malerei, Jean-Auguste-Dominique Ingres, in der strengen klassizistischen Tradition. Dann änderte sich alles. Edgar Degas entdeckte ihr Werk beim Salon jenes Jahres und machte sie mit Renoir und Monet bekannt, wodurch sie direkt in den Impressionistenkreis hineingezogen wurde, der sich um sie herum bildete. Sie beschrieb die Veränderung fast so, als würde sich das Wetter ändern: „Es ist, als hätte sich plötzlich ein Fenster in deinem Haus geöffnet und Sonne und frische Luft wären hereingeströmt.“ Marie nahm an drei der acht großen impressionistischen Ausstellungen teil, indem sie ihre Werke zur vierten (1879), fünften (1880) und achten (1889) Gruppenausstellung einreichte.
Ihr Mann, der Grafiker Félix Bracquemond, war dabei keine Hilfe. Nach Aussage ihres Sohnes Pierre weigerte er sich, ihre Gemälde Gästen zu zeigen, und arbeitete aktiv dagegen, dass sie in Ausstellungen kam, weil er nicht im Schatten einer Ehefrau stehen wollte, die ihn überholte. Dieses Gartenporträt ihrer Halbschwester Louise, die in ihrem Zuhause außerhalb von Paris ruhig liest, wirkt wie Bracquemonds Antwort auf all das: gesprenkeltes Licht, lockere Pinselführung, ein Moment völliger ungehemmter Gelassenheit – alles, was ihr häusliches Leben ihr vorenthielt. Es ist eines der wenigen ihrer Gemälde, die heute noch in einer öffentlichen Sammlung erhalten sind; der französische Staat erwarb es Jahrzehnte später von ihrem Sohn.
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Marie Bracquemond