"Der Wolf findet Schutz beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen und ein kleiner Junge leitet sie." Diese Passage und weitere Verse aus Jesajah 11 im Alten Testament sind die Inspiration für Edward Hicks ikonisches Ein friedliches Königreich - ein Lieblingmotiv, das er in seinem Leben über 60 Mal malte.
Hicks, ein Quäker und autodidaktischer Maler, lebte im ländlichen Pennsylvania im frühen 19. Jahrhundert. Er begann seine Karriere mit dem Malen von Wagen, Schildern, Möbeln und alltäglichen Objekten. 1816, mit Mitte 30, malte er sein erstes Friedliches Königreich als Reaktion auf die soziale Sittenlosigkeit der Zeit sowie auf Konflikte hinsichtlich Sklaverei, Armut und Einwanderung.
Als Pfarrer der Quäker beschäftigte ihn der Konflikt zwischen einem nach inneren gerichteten geistlichen und einem nach außen gerichteten weltlichen Leben. Außerdem beunruhigte ihn ein theologisches Zerwürfnis innerhalb der "Gesellschaft der Freunde" (dem Quäkertum). Die Tiere in diesem Bild vermitteln eine moralische Botschaft, da Raubtiere wie Löwe, Panther, Bär und Wolf ihre Instinkte unterdrücken und mit dem sanftmütigen Lamm, Böcklein, Kuh, Ochsen und Kind in Harmonie leben. Hicks glaubte, dass eine Person, um die göttliche Gnade zu erhalten, sich selbst abschwören und ihr eigentliches weltliches und naturgegebenes Verhalten ablegen muss.
Im Angesicht des drohenden Bürgerkrieges schaute Hicks zurück auf ein in seinen Augen "goldenes Zeitalter", in dem William Penn 1681 bei der Gründung einer Kolonie in Pennsylvania durch entsprechende Verträge den Frieden mit den amerikanischen Ureinwohnern sicherte. Er band diese historische Szene in viele seiner Gemälde ein (links im Hintergrund). Hicks Ausbildung als Schildermaler statt in bildender Kunst ist deutlich erkennbar: Die Tiere sind flach (nicht-dimensional), stilisiert (nicht natürlich) und in ihrer Position versteinert. Hicks Vision von Harmonie passt besonders in diese Zeit der Uneinigkeit und tiefen Spaltung während der Präsidentschaftswahl in den USA.
- Martina
Wenn du dieses Gemälde gerne mit eigenen Augen sehen möchtest: Vom 10. Juni bis zum 03. September 2017 kannst du Ein friedliches Königreich in der Ausstellung "A Shared Legacy: Folk Art in America" im Cincinnati Art Musem sehen :)