Jose Moreno Carbonero war ein spanischer Historienmaler des 19. Jahrhunderts. Er stammte aus Málaga in Andalusien, studierte in Paris und arbeitete in Rom, bevor er sich in Madrid niederließ und an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in San Fernando lehrte. Carboneros Herangehensweise an die Historienmalerei brach insofern mit denen seiner Vorgänger, als dass er sich nicht auf die dramatischen Geschehnisse der großen historischen Momente der spanischen Geschichte konzentrierte, sondern auf die damit verbundenen menschlichen Empfindungen und Standpunkte.
Wir können das gut in diesem Bild Prinz Don Carlos von Viana sehen. Carlos IV. von Viana, Sohn von Juan II. von Aragón und Blanca I. von Navarra, war Erbe der Königreiche Aragón und Navarra im Spanien des 15. Jahrhunderts. Als seine Mutter starb, heiratete sein Vater Juana Enríquez, was die angeschlagene Vater-Sohn-Beziehung weiter belastete. Ihre dynastischen Konfrontationen eskalierten zu einem bewaffneten Konflikt und führten gemäß der mittelalterlichen Tradition, unbequeme Verwandte aus dem Weg zu schaffen, zur Inhaftierung des Prinzen. Don Carlos wurde nach zwanzig Monaten freigelassen, sieben Jahre später aber von seinem Vater erneut inhaftiert. Er starb kurz nach seiner Freilassung aus der zweiten Haft, ohne erfolgreich regiert zu haben und ohne einen rechtmäßigen Erben zu hinterlassen. Sein Halbbruder Fernando II folgte seinem Vater auf den Thron und einigte Spanien durch die Heirat mit Isabella I.
In dem Bild Prinz Don Carlos von Viana sehen wir Don Carlos in Gefangenschaft, reich gekleidet in Pelze und mit Juwelen geschmückt. Augenscheinlich fühlt er sich behaglich und zufrieden. Doch bei näherer Betrachtung bemerken wir die Bitterkeit in seinem Gesicht, die er angesichts seines Schicksals empfindet. Dieses Gemälde ist zwar eine narrative Momentaufnahme einer spanischen historischen Figur, enthält aber auch eine moralische Botschaft für heute. Wenn wir das Unglück des Prinzen betrachten, verstehen wir die Vergeblichkeit, Ausflucht oder Erlösung in materiellem Reichtum und Prunk zu finden. Eine Seele wird nicht durch opulente Kostbarkeiten erfüllt. Sie wird nicht durch Bücher besänftigt, noch wird sie durch die Abstammung eines Menschen erlöst. Es ist offensichtlich, dass übermäßige und üppige Annehmlichkeiten letztendlich der Seele keine Befriedigung bringen. Schließlich denken wir voller Mitgefühl an diejenigen, die keine physische Freiheit genießen, wie Häftlinge, ans Haus gefesselte Personen, Gelähmte oder Versklavte.
- Patti