Es geschieht nicht oft, dass man über ein Bild stolpert, das einen Kleinwüchsigen, einen Affen, einen Orangenbaum und eine Königin beinhaltet, doch Anthony Van Dyck (1559–1641) hat es geschafft, dies in einem Meisterstück zu kreieren: „Königin Henrietta Maria mit Sir Jeffrey Hudson.“ Henrietta Maria war die jüngste Tochter König Heinrichs IV von Frankreich und Königin Maria Medici von Florenz. Sie heiratete König Karl I von England im Jahr 1625 und wurde die Königin Englands.
Van Dyck war angestellt, um als Hofmaler für König Karl zu arbeiten und war hauptsächlich bekannt für seine Volllängen-Porträts mit extrem hochgewachsenen und eleganten Figuren, die auf die Betrachter mit einer lässigen, kühlen Arroganz herabschauen, welche Nobilität ausdrückt. Van Dyck war ein sehr fähiger flämischer Barockkünstler, beeinflusst von Rubens und Tizian, die auf großartige Weise zur Kunstgeschichte beigetragen haben. Er ist ebenfalls bekannt für die Erschaffung des Van Dyck Bartes, eine Kombination eines Schnurrbartes und eines Ziegenbärtchens, den Männer noch heute tragen. Sein Porträt „Königin Henrietta Maria mit Sir Jeffrey Hudson“ ist ein erstklassiges Beispiel seiner höfischen Porträts, die ihn so bekannt machten.
In diesem Porträt sehen wir erstaunlich detailreich die Falten von Henriettas blauem Satin-Reitergewand, ihre Kragenschleife und den roten Samtanzug, getragen von Sir Jeffrey Hudson. Hudson war ein Kleinwüchsiger, der der Königin in jungem Alter geschenkt worden war; er wurde einer ihrer vertrautesten Berater und war extrem loyal zur Königin. Henrietta liebte Tiere und hatte eine ganze Menagerie, eingeschlossen ihren geliebten Affen, Pug, der auf Sir Jeffreys Arm sitzt, während die Königin behutsam ihre Hand auf ihn gelegt hat. Van Dyck nutzt eine geriffelte Säule in dem Gemälde, um die Höhe noch zu verstärken, und das Abbild von prächtigem goldenen Stoff betont ihren noblen Stand. Der Orangenbaum hinter Henrietta ist eine visuelle Hommage an ihre florentinischen Wurzeln, so denn das Wappen der Medicis fünf Orangen beinhaltet, die ihre Zitruspflanzen-Sammlung widerspiegeln.
Es ist geschrieben, dass Van Dyck die Königin in diesem Porträt stark idealisierte, indem er sich künstlerische Freiheiten nahm, die ihr sicherlich schmeichelten und zu seiner weiteren Bekanntheit am königlichen Hof führten.
- Heidi Werber
Heißt unseren neuen Lektor im Team willkommen – Brad :)