Selbstpoträt am Spinett by Lavinia Fontana - 1577 - 27 × 23,8 cm Accademia Nazionale di San Luca Selbstpoträt am Spinett by Lavinia Fontana - 1577 - 27 × 23,8 cm Accademia Nazionale di San Luca

Selbstpoträt am Spinett

Öl auf Tafel • 27 × 23,8 cm

  • Lavinia Fontana - 24. August 1552 - 11. August 1614 Lavinia Fontana

    1577

Als dieses Porträt im Jahr 1577 gemalt wurde, stand Lavinia Fontana an der Schwelle einer bemerkenswerten Karriere. Mit nur 24 Jahren hatte sie in der Werkstatt ihres Vaters, Prospero Fontana, Malerei gelernt und Drucke von Künstlern wie Raphael und Sebastiano del Piombo studiert. Diese Ausbildung bereitete sie nicht nur auf die Malerei von Porträts und Andachtsgemälden vor, sondern auch auf Historienmalerei, was damals als männlicher Bereich galt. Dank der Mühen ihres Vaters war sie bereits in den künstlerischen und intellektuellen Kreisen Bolognas bekannt. Das einzige ernsthafte Hindernis ihrer Karriere war ihr Geschlecht. 

Wie viele italienische Künstlerinnen der frühen Neuzeit, umging Lavinia formelle Beschränkungen, indem sie zu Hause lernte. Doch obwohl Unterricht möglich war, sah es mit professioneller Unabhängigkeit anders aus: Juristische und soziale Einschränkungen hielten verheiratete Frauen davon ab, ihre eigenen Werkstätten zu betreiben, Verträge zu unterschreiben oder frei mit männlichen Stammkunden in Kontakt zu treten. Ihre Erlöse würden rechtlich ihrem männlichen Vormund gehören. Prospero, der sowohl ihr Talent als auch diese Einschränkungen erkannte, suchte einen Ehemann, der ihre Karriere unterstützen und nicht hindern würde.

Selbstporträt am Spinett wurde speziell für die Heiratsverhandlungen mit Severo Zappi angefertigt, dessen Sohn Giovan Paolo Zappi Lavinias Ehemann werden würde. Obwohl der Tausch von Portraits bei Verlobungen der Elite üblich war, war das Angebot eines Selbstportraits außergewöhnlich. Das Gemälde zeigt Lavinia als versierte, gebildete junge Frau – bescheiden, unter Aufsicht und häuslich – und signalisiert gleichzeitig subtil ihre Ausbildung, Finesse und ihr zukünftiges Verdienstpotenzial. Mithilfe vorsichtig ausgewählter Symbole der Liebe, des Lernens und der Tugend schafft die Künstlerin ein Bild, das eine künftige Familie beschwichtigt, während es still ihren eigenen Ehrgeiz und Intellekt zur Geltung bringt. Schlussendlich war ihre Familie auf ihre Karriere als Malerin angewiesen, sie erzog 11 Kinder und ihr Ehemann diente als ihr Vermittler.

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