Im Vordergrund liegt eine Bibel, geöffnet zu den bekannten Zeilen aus dem Buch Kohelet: „Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.“ Wie ein strenger Prediger, der sein Argument betont, scheint das Buch seine*n Betrachter*in direkt mit seiner Botschaft zu konfrontieren: Alles irdische Wissen, Schönheit und Errungenschaften sind letztendlich vergeblich, denn der Tod löscht alles aus, was wir anhäufen.
Gemälde dieser Art, bekannt als Vanitas-Stillleben, haben eine lange Tradition. Ursprünglich dienten sie als moralische Warnungen gegen Überfluss und Lust, doch hier ist die Tragweite viel größer. Die abgebildeten Objekte stehen für die Gesamtheit der weltlichen Kultur, die nicht nur Luxus, sondern auch Intellekt und edle Bestrebungen umfasst. Ein geöffneter Atlas von Willem Blaeu erinnert an den Ursprung der niederländischen Entdeckungsfahrten und die Geburt der Republik, angefangen mit dem ersten Sieg im Unabhängigkeitskrieg bei Bergen. Von dort spürt die Komposition der globalen Reichweite des niederländischen Handels nach: ein türkischer Teppich, chinesische Seide und Porzellan, japanische Waffen und sogar ein ausgestopftes Gürteltier aus Südamerika.
Antike Kultur – die Grundlage europäischer Zivilisation – ist auch anwesend. Über dem Kamin ist die Dido-Tragödie abgebildet, während ein Bild von Minerva, die Weisheit und Lernen symbolisiert, den deutschen Kabinettschrank schmückt. Globen der Erde und des Himmels heben die Komposition auf eine weltumfassende Ebene und suggerieren die Weite menschlichen Wissens sowohl auf der Erde als auch im Himmel.
Van der Heyden malte diese umfangreiche Komposition im Alter von 75 Jahren, in seinem Todesjahr. Die Botschaft des Werkes bleibt untrennbar von einem Bewusstsein, dass sich das Ende des Lebens nähert.
Habt einen tollen Sonntag!
PS: Kannst du erraten, was der Atlas und die Globen symbolisieren könnten? Diese Objekte wurden häufig in niederländischer Kunst genutzt, wie in zwei faszinierenden Porträts des Wissenschaftlers Vermeer!