Der wohlhabende Amateurfotograf und wohlbekannte Gast am französischen Kaiserhof, Viscount Onésipe-Gonsalve Aguado de Las Marismas wurde 1858 Mitglied der Société Française de Photographie. Gemeinsam mit seinem berühmteren Bruder, Olympe – einer der Gründer der Gesellschaft – gehörte er zu den Wegbereiter*innen der Fotovergrößerung. Die Brüder arbeiteten außerdem gemeinsam an tableaux vivants (statische Szenen, die eine*n oder mehrere Schauspieler*innen oder Models beinhalten) und kreierten dabei geistreiche und spielerische Motive, die die Geschmäcker und Unterhaltungen der gehobenen Gesellschaft reflektierten.
Dieses faszinierende Bild fungiert gleichzeitig als Porträt, Modestatement und visueller Witz. Es vermittelt Aguados unbeschwerten, fantasievollen Geist und repräsentiert möglicherweise eine Ausweitung seiner Experimente mit perspektivischer Verkürzung. Bemerkenswert flach und an Tiefe mangelnd, erscheint diese Person fast wie ein Papierschnitt oder eine Silhouette. Die Komposition erinnert an die Werke von Künstlern wie Caspar David Friedrich und René Magritte, die bekanntlich Personen von hinten abbildeten, um das Gefühl von Mysterium und Introspektion hervorzurufen.
PS: Frühe Fotograf*innen liebten es, mit dem neuen Medium zu experimentieren. Im London des 19. Jahrhunderts kam es zu einem umstrittenen und kurzlebigen Phänomen – entdecke viktorianische Geisterfotografie!
Viscount (Vicomte) Onésipe-Gonsalve Aguado de Las Marismas