Spuren by Mariusz Hermanowicz - 1977 - 13 × 18 cm Spuren by Mariusz Hermanowicz - 1977 - 13 × 18 cm

Spuren

Silbergelatineabzug • 13 × 18 cm

  • Mariusz Hermanowicz - 17. Dezember 1950 - 3. Oktober 2008 Mariusz Hermanowicz

    1977

Auf den ersten Blick wirkt das Bild wie eine klassische Studiofotografie einer Skulptur. Der schwarze Hintergrund isoliert die Form: Das steinerne Objekt scheint aus jedem konkreten Kontext herausgelöst, als wäre es in einem Museum präsentiert. Erst nach einem Moment stellt sich jedoch ein Gefühl der Irritation ein. In dieser Fotografie aus der Serie Spuren des polnischen Konzeptkünstlers Mariusz Hermanowicz treten markante Details hervor – Risse, Fehlstellen und kleine Löcher, die über die Steinoberfläche verstreut sind. Diese Spuren sind keine bloße dekorative Textur und auch nicht einfach das Ergebnis natürlicher Alterung. Sie erinnern an Wunden, an Narben, die von Einschüssen stammen könnten. Daher auch der Titel der gesamten Serie: Spuren.

Hermanowicz dokumentierte Kriegsschäden im Warschau des Zweiten Weltkriegs, vermied dabei jedoch bewusst eine direkte, dokumentarische Darstellung dieses schwierigen Themas. Statt weiter Ansichten von Ruinen konzentrierte er sich auf Fragmente der Realität – auf Wandstücke, auf Details von Skulpturen. Hier wählte er eine Steinoberfläche, die in der Nahaufnahme an menschliche Haut erinnert. Der Künstler zeigt damit, dass Fotografie den menschlichen Körper nicht direkt abbilden muss, um von Leid und Vergänglichkeit zu sprechen.

Das Bild ist ein leises Zeugnis der Gewalt des Krieges: Der Stein steht stellvertretend für das Gewebe der Stadt, und seine „Haut“ trägt die Spuren der Geschichte.

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PPPS: Eine der bekanntesten Fotografinnen des Zweiten Weltkriegs war übrigens eine Amerikanerin, die für... Vogue arbeitete. Entdecke die Schrecken des Krieges durch die surrealistische Linse von Lee Miller!