Als Jean-Étienne Liotard geboren wurde, waren chinesisches Porzellan und das Ritual des Teetrinkens in ganz Europa bereits in Mode gekommen. Jedoch erst in den späteren Jahren seiner Karriere wandte sich Liotard zunehmend Stillleben zu, darunter auch Darstellungen von Tee- und Kaffeeservices. Zuvor war er vor allem für seine Pastellporträts bekannt, doch mit zunehmendem Alter sowie durch veränderte künstlerische Vorlieben (und auch durch seine politischen Ansichten) ging die Nachfrage nach ihnen zurück. Dennoch hatte er bereits seit etwa 1740 Elemente des Stilllebens – insbesondere Früchte und Porzellangefäße – in seine Porträts integriert. Heute sind nur fünf eigenständige Gemälde von Tee- und Kaffeeservices von Liotard bekannt.
Dieses Gemälde zeigt die leicht in Unordnung geratenen Überbleibsel nach einer Teestunde. Auf einem Tablett stehen sechs Tassen mit Untertassen neben einer Teekanne, einer Zuckerschüssel, einem Milchkännchen und einem Gefäß mit Deckel, das möglicherweise zusätzliche Teeblätter enthielt. In der Nähe befindet sich eine Abfallschale (mit einer Tasse und Untertasse darin), die üblicherweise dazu diente, kalten Tee und gebrauchte Teeblätter zu entsorgen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts hatte sich das Teetrinken über die aristokratischen Kreise hinaus auch in den wachsenden Mittelstand verbreitet. Liotard stellt die Eleganz von chinesischem Porzellan und Silber einem schlichteren, bemalten Blechtablett gegenüber – dem sogenannten Tôle –, das asiatische Lackarbeiten nachahmen sollte.
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PPS: Im 18. Jahrhundert war der Genuss von Tee, Kaffee oder Schokolade noch keineswegs für alle zugänglich und blieb weitgehend den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten. Nimm Platz am Tisch und genieße diese wunderschönen Frühstücksszenen von Liotard!