Katarzyna Kobro war Bildhauerin, Kunsttheoretikerin und eine der fortschrittlichsten und außergewöhnlichsten Künstlerinnen, die mit der polnischen Avantgarde der Zwischenkriegszeit in Verbindung standen. Unter dem Einfluss des Konstruktivismus lehnte sie die Konzepte der Ästhetik, des Individualismus und des Subjektivismus ab; stattdessen vertrat sie den absoluten Objektivismus von Form. Ihr Hauptziel war es, ein abstraktes Kunstwerk zu bauen, das auf den universellen und objektiven Regeln basierte, die sich aus Experimenten und räumlicher Analyse ergaben. Ihre Skulpturen gelten als einige der bedeutendsten Errungenschaften der Avantgardekunst; in Beziehung mit der Arbeit von Kazimir Malevich und Georges Vantongerloo, repräsentieren ihre Werke eine originelle Reflexion auf die Logik räumlicher Komposition, die wiederum für Architektur von Bedeutung ist.
Sie hinterließ in Bezug auf Quantität ein relativ kleines Œuvre, dafür aber eines von großer künstlerischer Bedeutung. Nach ihrem Tod musste ein Teil dessen rekonstruiert werden, damit die Originalität und Kühnheit ihrer Werke vollständig gewürdigt werden konnten. Einige Werke, hauptsächlich die frühesten, sind verloren gegangen und nur durch Fotografien oder dokumentarische Unterlagen bekannt. Die geringe Anzahl ihrer überlebenden Werke befindet sich hauptsächlich im Kunstmuseum von Łódź und wir zeigen das heutige Werk dank dieses tollen Museums.
In einem Text zu dem Konzept von Räumlichkeit in zeitgenössischen Skulpturen aus dem Jahr 1929 (Europa, Nr. 2) schrieb Katarzyna Kobro: „Bildhauerei ist nichts als das Modellieren von Form im Raum … ist Teil seiner Umgebung- … Eine Skulptur betritt den Raum und umgekehrt betritt der Raum sie … Indem sie sich mit dem Raum vereint, sollte die neue Skulptur dessen verdichtetster und wesentlichster Teil sein.“ Laut Kobro sollte die Bildhauerei, genauso wie die Architektur, einem angemessenen System von Konstruktion und einer universellen Kompositionsregel unterliegen. Damit würde sie der Vision von der Architektur der Zukunft näher kommen. Kompositionen aus Linien, Flächen und neoplastischen Farben formen eine neue Realität, die auf den Regeln der Kunst basiert – Regeln, die die Einigkeit von Rhythmen, Dimensionen und Bereichen bestimmen. Die Gestaltung des Raumes wurde von der Bildhauerei abgeleitet, sollte aber ebenso andere Lebensbereiche und die Realität selbst gestalten.
PS: Kobro glaubte, dass Abstraktion nicht nur Bildhauerei, sondern auch das Erleben von Raum selbst umformen konnte. Ein ähnlich visionärer Denkansatz ist in Hilma af Klints Gruppe X, Altarbild Nr. 1 zu finden, das jetzt als Kunstdruck in Museumsqualität verfügbar ist.
PPS: Kannst du diese Bildhauerinnen wiedererkennen? Teste dich mit unserem Quiz!
Katarzyna Kobro