Das Gemälde von Ernst Ludwig Kirchner, das wir heute vorstellen, entstand 1910. Ein Mädchen sitzt entspannt mit einer Katze auf dem Sofa: Sie trägt ein gestreiftes Oberteil, warme Socken und Hausschuhe. Es vermittelt uns den deutlichen Eindruck, dass wir das Mädchen in einer alltäglichen Szene beobachten.
Wie seine Künstlerkollegen der Brücke (Die Brücke war eine Gruppe deutscher expressionistischer Künstler, die 1905 in Dresden gegründet wurde) entschied sich Kirchner bewusst dafür, nicht mit professionellen Modellen zu arbeiten, die oft künstliche und stereotype Posen einnahmen. Aber wen sehen wir eigentlich auf diesem Bild? Und wie natürlich ist diese Situation wirklich? Lange Zeit wurde angenommen, dass das hier abgebildete Kindermodel Marcella hieß, obwohl es dafür keine schlüssigen Quellen gibt.
Ein anderes Kindermodel ist jedoch bekannt: Lina Franziska Fehrmann, die 1900 als eines von zwölf Kindern einer Arbeiterfamilie in Dresden geboren wurde. Franziska wurde 1909, als sie gerade acht Jahre alt war, den Künstlern der Brücke vorgestellt und erschien unter ihrem Spitznamen Fränzi in einer Reihe von Werken von Kirchner, Erich Heckel und Max Pechstein. Es ist bekannt, dass die Brücke-Gruppe mit verschiedenen Kindermodellen arbeitete. Die genaue Identität der Artistin ist bis heute unklar.
In der kunsthistorischen Literatur wurde wiederholt betont, dass die Künstler der Brücke die Authentizität und Leichtigkeit der Posen und Ausstrahlung der Kindermodelle bevorzugten. Es gibt jedoch zunehmend Kritik an den ungleichen Macht- und Geschlechterverhältnissen zwischen erwachsenen Männern im Alter von 20 bis 30 Jahren und diesen sehr jungen Mädchen.
Im Jahr 2025 feiert das Brücke-Museum in Berlin mit einer großen Ausstellung das 120-jährige Bestehen der Brücke. Am 7. Juni 1905 schlossen sich vier junge Architekturstudenten in Dresden zur Künstlergruppe Brücke zusammen: Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Bleyl hatten keine künstlerische Ausbildung, aber sie machten sich selbstbewusst daran, gemeinsam die Kunst zu revolutionieren.
PS: Lies mehr über die Kunst von Ernst Ludwig Kirchner – einem der Väter des Expressionismus!
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