Das Chintz-Sofa zeigt das Londoner Atelier, das sich die kanadische Impressionistin Helen McNicoll mit ihrer Partnerin, der britischen Malerin Dorothea Sharp, teilte – letztere ist in diesem Werk dargestellt. Auf den ersten Blick vermittelt die Szene den Eindruck stiller Häuslichkeit. Doch einige Kunsthistoriker*innen haben eine tiefere Deutung vorgeschlagen: Die dargestellte Frau könnte eine Suffragette sein, die Erinnerungsstücke für die Frauenrechtsbewegung herstellt. Das 1913 entstandene Gemälde entstand auf dem Höhepunkt der militanten Suffragettenproteste – im selben Jahr, in dem McNicoll in die Royal Society of British Artists (RBA) aufgenommen wurde.
Der Zugang von Frauen zu künstlerischen Institutionen war zu dieser Zeit noch immer schwierig. Selbst als Mitglieder der RBA waren sie häufig marginalisiert und wandten sich daher Vereinigungen wie der Society of Women Artists (SWA) zu, deren Vizepräsidentin Dorothea Sharp war. Obwohl die politischen Überzeugungen beider Künstlerinnen nicht vollständig dokumentiert sind, deutet ihr starkes Engagement in Frauenorganisationen darauf hin, dass Das Chintz-Sofa über das Atelier hinaus mit feministischen Themen in Verbindung steht.
Das Atelier selbst – eine großzügige Wohnung in den Ashworth Mansions 91, Maida Vale – war sowohl Arbeitsraum als auch gesellschaftlicher Treffpunkt. McNicolls Atelier diente als Ort für Ausstellungen und Vernetzung. In einem Brief von 1913 berichtete sie, dass 57 Besucher, darunter RBA-Mitglieder, eine Studioausstellung besuchten, die kurz vor den jährlichen Wahlen der Gesellschaft stattfand. Mit Sharps aktiver Unterstützung gelang McNicoll schließlich die Aufnahme in die RBA – ein Foto ihres Ateliers erschien begleitend zu einem Artikel über ihren Erfolg im Montreal Daily Star.
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