Bis 1925 vollzog Sava Šumanović, einer der bedeutendsten serbischen Maler des 20. Jahrhunderts, eine tiefgreifende emotionale Wende in seiner Malerei und offenbarte die expressionistische Tiefe, die lange Zeit unter der kubistischen und neoklassizistischen Strenge seiner früheren Jahre in Paris und Zagreb verborgen geblieben war. In seinen späten Werken aus den 1920ern, entwickelte sich dieser Expressionismus mithilfe energischer, spontaner Pinselstriche und später, während seiner Šid-Periode, durch die dicken, taktilen Oberflächen lyrischer Landschaften. In einer Handvoll Gemälden wurde es jedoch etwas mehr: eine existenzielle Beichte, die den Kern des Expressionismus selbst traf.
Gegen Ende seiner Šid-Periode, in der er in fast totaler Isolation arbeitete, malte Šumanović eindringliche Winterszenen seiner Heimatstadt, in denen die Straßen in der Ferne verschwinden. Šid im Schnee war eines der ersten davon. Die leeren Straßen, ohne Lebenszeichen, spiegeln die Einsamkeit des Künstlers wider: „Und die ganze Zeit war ich komplett alleine, mit keinerlei Gesellschaft.“
Die Fassaden der Häuser haben, obwohl sie auf die Straße blicken, keine Fenster; die Telefonmasten tragen keine Kabel. Was zunächst wie eine ruhige, geordnete Szene erscheint, fühlt sich bald unheimlich an, belastet von einer stillen Anspannung und langgezogenen Schatten.
Nur die Straße in der Mitte weist auf einen Ausweg hin – ein fragiles Symbol des Begehrens und der Suche nach innerem Frieden. Durch diese kehrt Šumanović Realismus in Erkenntnis um und verwandelt die äußere Landschaft in einen Spiegel der Seele.
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Sava Šumanović