Wir haben gute Nachrichten: An den nächsten vier Sonntagen begeben wir uns nach Wien und präsentieren Meisterwerke aus der beeindruckenden Sammlung des Leopold Museums. Beginnen wir mit Egon Schiele!
Egon Schiele beschäftigte sich intensiver als alle anderen Künstler*innen in Wien um 1900 mit der Darstellung seines eigenen Gesichts, seines eigenen Körpers und seiner eigenen Persönlichkeit. Dadurch wurde sein Name zum Synonym für die Wiener Moderne als visuelle Manifestation eines der zentralen Themen jener Zeit: die Krise des Individuums.
Das 1912 entstandene Selbstporträt mit Lampionfrüchten ist heute eines der bekanntesten Werke Schieles und zeigt den Künstler zum Höhepunkt seines Schaffens. In der ausgewogenen Komposition ist nichts dem Zufall überlassen; jede Linie findet ihre Fortsetzung oder ein entsprechendes Gegenstück: Kopf und Körper werden durch die horizontalen Bildränder fragmentiert; die Wirkung dieser dunklen Bereiche spiegelt sich im kräftigen Rot der chinesischen Lampionblume wider. Schieles Kopf ist nach rechts gewandt, während sein Blick in einer gegenläufigen Bewegung direkt auf die Betrachter gerichtet ist; der Künstler präsentiert sich gleichzeitig zerbrechlich und selbstbewusst. Schiele konzipierte das Werk als Gegenstück zum zeitgleich entstandenen Porträt von Wally Neuzil, einem Porträt seiner damaligen Partnerin, was die seltsam exzentrische Komposition beider Gemälde erklärt.
PS: Wir präsentieren Egon Schieles Werk in unserem atemberaubenden, goldenen Wiener Secession-Planer, der für grenzenlose Planungsfreiheit konzipiert wurde.
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