Goethe in der römischen Campagna by Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - 1787 - 164 × 206 cm Städel Museum Goethe in der römischen Campagna by Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - 1787 - 164 × 206 cm Städel Museum

Goethe in der römischen Campagna

Öl auf Leinwand • 164 × 206 cm

  • Johann Heinrich Wilhelm Tischbein - 15. Februar 1751 - 26. Februar 1829 Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

    1787

Im September 1786 machte Goethe sich auf den Weg nach Italien. Er reiste unter falschem Namen um nicht als der berühmte Verfasser des Werther erkannt zu werden. In Rom hielt er an seinem Pseudonym fest, auch gegenüber denen, die seine wahre Identität kannten. Er verweilte bei Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, dem Maler dieses Gemäldes, den er zuvor nur durch Briefe gekannt hatte. Zusammen unternahmen die beiden mehrere kurze Reisen und Abenteuer, unter anderem eine Expedition zu den "zerstörten Grabstätten längs der Via Appia" (Goethe). Die Eindrücke dieser gemeinsamen Erfahrung spiegeln sich in diesem berühmten Portrait des Schriftstellers in Lebensgröße wider, das nur kurz danach gemalt wurde. Immerhin inszeniert Tischbein hier den "großen Goethe" - als einen Mann zwischen den Epochen, zwischen Altertum und Gegenwart.

Im Jahr 1887 schenkte die Privatsammlerin Adèle von Rothschild dem Städel Museum das Bild, zu einer Zeit, in der der Kult um Goethe einen Höhepunkt erreicht hatte. Das neue Deutsche Kaiserreich war auf der Suche nach bedeutenden Persönlichkeiten als Symbolfiguren für eine gemeinsame kulturelle Vergangenheit: Goethe und Schiller wurden dafür in den Status von Nationalhelden erhoben. Tischbeins Portrait wurde zum Symbol deutscher Hochkultur von Wissen, Kunst und Kultur stilisiert. Das Gemälde ist eines der Highlights der Städel Sammlung und wird als Ikone nationaler deutscher Malerei angesehen. Unumstritten hat das Bildnis zu dem Bild beigetragen, das wir heute von Goethe haben, als Verkörperung des klassischen deutschen humanistischen Ideals.