Der Sturz der abtrünnigen Engel ist das größte Motiv der Gegenreformation. Es war diese Thematik, die es der Kirche in Konfliktzeiten erlaubte, ihre Propaganda als ein Ringen gegen alle Formen der Ketzerei zu präsentieren. Gleichzeitig symbolisierte das Motiv des ringenden Engels auch den Triumph des Lichts über die Auflehnung der dunklen Mächte. Dem Maler gab es dabei die Gelegenheit ein Chiaroscuro voller Bedeutung zu erschaffen, in dem sich Himmel und Hölle, Weihrauch der Begnadeten und Schwefel der Verdammten in einem äußerst beschränkten Raum gegenüber stehen und dabei einen Spannungsbogen erschaffen, worin der ritterliche Engel seine weiten Flügel ausbreitet und sein Schwert in triumphierender Siegesgeste schwingt.
Giordano stellt die Szene mit relativ wenigen Figuren dar, im Vergleich etwa zu Rubens Das große Jüngste Gericht. Vor einem in tief goldenes Licht getauchten Hintergrund balanciert der Erzengel in einer fast graziösen Bewegung auf Luzifers Brust, verwickelt in einer Schar seiner Diener; seine hageren, fledermausartigen Flügel schneiden durch das verschwommene Sfumato des Höllenfeuers. Was auf den ersten Blick so dramatisch erscheint, ist tatsächlich nicht die Darstellung des Kampfes selbst. Michael attackiert die Figuren der Hölle nicht mit seinem Schwert, vielmehr hält er es gleich eines Symbols zum Himmel empor, als sei seine bloße Erscheinung genug, um Satan und sein Gefolge in ewige Verdammnis zu schicken.
Der heutige Beitrag ist Julia gewidmet, ein großer Fan des Kunsthistorischen Museums, alles Liebe zum 40. Geburtstag!
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