Caspar David Friedrich ist berühmt als einer der größten Maler*innen der deutschen Romantik und einer der ikonischsten Landschaftsmaler*innen der westlichen Kunst. Oft malte er eine einzelne, von hinten gesehene Figur (die Rückenfigur) – jemanden, der vor gewaltigen Bergen, dem Meer oder dramatischen Himmeln steht – und lud damit dich als Betrachter*in ein, die Szene zu betreten und das gleiche Staunen zu empfinden. Doch das heutige Gemälde ist anders.
Die Felsen, die das Tor bei Neurathen im Elbsandsteingebirge südöstlich von Dresden bilden, ragen fast senkrecht auf. Vor ihnen stürzt der Blick in eine Schlucht. Bäume klammern sich an die steilen Hänge, einige frisch grün, andere abgestorben. Ein gewaltiger, entwurzelter Baum zieht sich diagonal über die Bildfläche. Er schafft eine Teilung, trennt den Blick in den Abgrund von dem Aufstieg zum Steintor. All das trägt symbolische Bedeutung: Bäume, Schlucht und Felsspitzen stehen für das Werden und Vergehen allen Irdischen; sie sind Symbole des Göttlichen ebenso wie des Todes. Wanderwege erschlossen das Elbsandsteingebirge bereits um 1820, und eine Fußbrücke führte hinauf zum Tor bei Neurathen. Friedrich zeigt beides nicht.
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